Ich will zeigen, was ich kann

Nachricht Hannover, 20. Februar 2020

Stellen Sie sich vor, Sie leben seit 4 Jahren in China, haben gut chinesisch gelernt und machen jetzt eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker auf Chinesisch. Und von ihnen würde erwartet, dass Sie Multiple-Choice- Fragen fragen genauso schnell erfassen wie chinesische Muttersprachler*innen. Und dass Sie genauso schnell teilweise verschachtelte Textfragen verstehen und beantworten könnten wie jemand, die/der ihr/sein Leben lang Chinesisch gesprochen, gehört und gelesen hat. Würden Sie so zeigen können, was Sie in Ihrer Ausbildung gelernt haben?

Wahrscheinlich würde Ihnen eine eindeutige und verständliche Formulierung von Prüfungsfragen helfen und/oder wenn Sie mehr Zeit als chinesische Muttersprachler*innen bekämen, um Ihr Können zu zeigen. Gäbe man Ihnen durch einen „Nachteilsausgleich“ mehr Zeit, hätten Sie die Chance, das zu tun. Es würde nicht bedeuten, dass Sie eine schlechtere Leistung als Ihre chinesischen Kolleg*innen erbracht hätten.

Genau das wird jedoch von vielen befürchtet, wenn sie Vorschlägen zu „leichter Sprache“ bei Abschlussprüfungen und Nachteilsausgleich auch aufgrund einer nicht deutschen Muttersprache entgegenbringen: „Die Qualität der dualen Ausbildung muss erhalten bleiben“. Damit wird ein Widerspruch impliziert, wo gar keiner ist, wie das Beispiel oben deutlich macht. Wem schadet es, wenn eine halbe Stunde mehr Zeit gegeben wird?

In Deutschland bewegt man sich inzwischen etwas: Prüfungsfragen sollen verständlicher, in „leichter Sprache“ formuliert werden sollen – auch zu Gunsten von deutschen Muttersprachler*innen. Allerdings wird die Umsetzung noch mindestens ein Jahr dauern. In ihrer Pressemitteilung von Ende Januar empfiehlt die niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, deshalb nachdrücklich, den Erlass des Kultusministeriums von 2014 anzuwenden, der für nicht-deutsche Muttersprachler*innen u.a. einen „Nachteilsausgleich“ vorsieht.

Genau wie Frau Schröder-Köpf arbeitet PonteAzubis daran die Prüfungsbedingungen JETZT zu verändern, damit die Azubis mit Fluchtgeschichte JETZT erfolgreich ihre Zwischenprüfungen bestehen. Das wird eine Strahlwirkung auf ihre Peers haben, was wichtig ist, denn Niedersachsen braucht mehr motivierte Auszubildende und diese bleiben motiviert, wenn sie Erfolge erleben.